Dienstag, 28. Oktober 2008

Es geht mir gut

Ich stehe vor einem Rätsel.

Ich habe eine wunderbare Frau an meiner Seite, die mich liebt und die ich liebe. Mit der der Sex keine Nebensache ist sondern fast schon eine religiöse Erfahrung.Wir können lange reden, wir können lange gemeinsam schweigen. Und wir sind beide frei dabei.
Mein Job überfordert mich nicht und macht sogar Spaß. Ich komme gut mit den Kollegen zurecht. Das neue Büro ist großartig und nur noch 15 Minuten weit weg.

Ich habe eine angenehm große Wohnung und bin darin vollständig eingerichtet, mitsamt Spielkonsole und anderen Elektroniknettigkeiten. Ich muss nicht auf Nachbarn achten und schon gar nicht auf Mitbewohner.

Das Geld ist knapp, ja. Aber ich habe keine Kredite laufen oder anderweitige Schulden in den exorbitanten Höhen wie andere Menschen, von denen man täglich liest oder die vom Fernsehschuldenberater besucht werden. Und es war schon knapper. Dennoch, das macht mir schon Sorgen und da muss ich auch noch was tun.

Aber nur das kann, soll, darf nicht der Grund dafür sein, daß ich mich so gehetzt fühle, daß ich so unruhig bin, daß ich morgens um sieben wach liege und meine Gedanken rotieren. Was ist es dann?

Es ist ein Wunsch, glaube ich. Ein Wunsch nach einer Veränderung, glaube ich. Einer richtigen, guten, grundpositiven Veränderung, die mehr macht, als nur ein Problem regeln.
Ich möchte die einzelnen Dinge in meinem Leben, die gut sind, in ein Leben betten, das mir entspricht. Mir, so wie ich heute bin. Mein Job ist etwas was ich gut kann, aber eigentlich würde ich gerne etwas anderes machen. Ich kann es noch nicht ganz greifen, aber ich wünsche mir, daß das was ich tue viel mehr mit mir zu tun hat.
Meine Wohnung ist nett, aber gemütlich, schön, in Stil und Ambiente mir entsprechend ist sie nicht.

Meine Geliebte zeigt mir, wie es aussehen kann, wenn man nicht bei "ganz okay" aufhört sondern immer bis zum Punkt "so soll es wirklich sein" geht. Sie hat abe auch viel mehr Zeit, muss noch nicht über das Wohin nachdenken. Ich bin jetzt vierzig Jahre alt und ich habe zwei Kinder zu versorgen. Einfach alles umkrempeln geht da nicht so leicht.

Und das ist wohl das, was mich jeden Morgen weckt. Den Status Quo zu halten erfordert schon so viel Kraft, daß ich mir zuweilen schon Sorgen machen muss, wie ich das schaffen kann. Woher soll ich denn die Kraft und das Vertrauen nehmen das für eine echte Veränderung nötig ist?

Also muss ich mir oft genug sagen, daß es mir gut geht. Und vielleicht finde ich noch den Schlüssel, mit dem ich dafür sorgen kann, daß ich diesen Satz "es geht mir gut" nicht mit "eigentlich" beenden muss.

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