Donnerstag, 19. November 2009

Unsichtbar

"Was ist das nur, was Dich so unsichtbar macht. Ich meine, im Restaurant nicht bedient zu werden ist eine Sache, aber das..." sagte sie und sie hat Recht.

Ich werde übersehen. Oft versehntlich aber offenbar ist es auch einfach, mich absichtlich zu übergehen. Warum geht das so leicht? Bin ich selbst Schuld? Kann man sich zu gut darauf verlassen, daß ich keien Szene mache? Daß ich loyal bleibe selbst wenn man mich ausbootet?

Ich denke manchmal, meine Kooperation, meine Mitarbeit, meine Pünktlichkeit, meine Bereitschaft zu Helfen ist vielleicht zu selbstverständlich, zu leise, zu sehr nebenbei. Es ist mir unangenehm, wenn man sich überschwenglich bedankt. Aber das heißt nicht, daß man alles mitnehmen kann. Das heißt nicht, daß meine Bemühungen nicht anerkannt werden müssen. Das heiß nicht, daß man mich nicht respektieren muss.

Mir meine Arbeit nicht anzuerkennen, wenn die Gelegeheit sich ergibt ist wohl schlimmstenfalls rücksichtslos. Mir sie aber auch noch wegzunehmen und sich öffentlich feiern zu lassen für meinen Erfolg, zusätzlich mich dabei auch noch fernzuhalten, um nicht teilen zu müssen, das ist unverschämt.

Da ich bei all meinen bisherigen Arbeitgebern noch nie wirklich die Anerkennung bekommen habe, die mir zugestanden hätte, muss es ein Fehler von mir sein, der dahintersteckt. Dabei brauche ich nicht mal viel Anerkennung von anderen, ich hole mir meine Motivation schon immer aus den Erfolgen selbst: ich weiß, wann etwas gut ist und freue mich dann darüber. ich brauche nicht wirklich jemanden, der mir das bestätigt.

Aber wenn man mir selbst diesen Erfolg stiehlt, und wenn sich jemand anderes Anerkennung mit meiner Arbeit holt und wenn er sich dabei auch noch extra Mühe damit gibt, daß ich auch ja nichts davon abbekommen werde, dann stiehlt er mir zusätzlich alles, was mich motiviert hat. Er führt meine Arbeit ad absurdum, denn er verhindert, daß sie mich bestätigt. Er zeigt mir, daß er mich nicht respektiert. Er zeigt mir, daß ich keine Bedeutung habe, denn er kann mir meine Arbeit nehmen, sie als die seine feiern lassen und er zeigt mir, daß es ihm egal ist, was ich davon halte.

Ich stehe daneben und weiß nicht was ich tun soll.

Was kann ich tun?

Sonntag, 18. Oktober 2009

Da schrillt eine Glocke in meinem Kopf

da steht die Welt in eiserstarrtem Schrecken und die Angst zeigt ihre Zähne, da verpufft das schöne Land im Feuer und mittendrin steh ich und steh herum und komme mir nun einerseits so dumm vor. Andererseits bestätigt sich die Ahnung, die den Nebel schon seit langem mit immer neuem Dunst auffüllt.

Da steh ich also und die Welt, sie will gerettet werden und der Himmel über mir erwartet von mir, das Ideal zu leben und die Hölle unter mir flüstert "Siehst Du, das haben wir Dir doch immer schon gesagt." Und "die Welt ist es nicht Wert, gerettet zu werden. Sieh doch, was sie aus Dir macht, sieh doch was es sie interessiert." und ich würde so gern glauben, was ich höre, denn so müde war ich noch nie zuvor.

Und dann ist da im hinterletzten Winkel wieder der Gedanke, dieser winzig kleine, der mich weiter treibt und der mich nicht ins Dunkle lässtob mirs gefallen würde oder nicht. Er sagt mir "Aber wenn es nun doch nur den einen Menschen gibt mit einer Seele, die gerettet werden kann. Oder mehr, vielleicht gibt es doch mal den, der ohne Deine Hilfe verloren ist, der stirbt, der deswegen verzweifelt, weil es Dich nicht gibt und Deine Hand."

(20.01.1992)

Samstag, 17. Oktober 2009

Fearless

Sometimes I'm afraid when you go
Sometimes I'm afraid when you come home
Underneath it all ...
I think I'm afraid when there's nothing wrong.

But if I was fearless ...
Could I be your reckless friend
And if I was helpless ...
Could you be the one comes rushing in.

There's something that I never told
When I find myself slipping off of my pedestal
I'm a fierce believer afraid to fall.

But if I was fearless ...
Could I be your reckless friend
And if I was helpless ...
Could you be the one comes rushing in.

Sometimes I'm afraid of the dark
I can't find the light in my heart
I can see my hand pushing away
Hard as I can

But if I was fearless ...
Could I be your wreckless friend
And if I was helpless ...
Could be the one comes rushing in.

Sometimes I'm afraid when you go ...

(Cyndi Lauper)

Donnerstag, 2. Juli 2009

Klare Momente

sind es. Kurze, klare Momente. Und plötzlich merkt man, daß man stehen geblieben ist. Und dann setzt man einen Fuß vor den anderen und beginnt loszulaufen. Und dann fällt die Kruste ab, die sich um einen gebildet hat. Und dann wundert man sich über die Sorgen, die man sich gmacht hatte und bemerkt, daß es nicht die anderen waren, die einen unglücklich gemacht haben, sondern man selbst.

Und dann ist man endlich wieder in der eigenen Kraft. Das fühlt sich gut an. Das fühlt sich richtig an. Das fühlt sich echt an.

Dann will ich doch mal los marschieren, mein Leben suchen. Der Geliebten zeigen, daß ich wieder aufgestanden bin. Die Freunde suchen, die ich brauche. Die Grenzen abstecken, die für mich wichtig sind.

Samstag, 27. Juni 2009

Nicht kämpfen zu können

Ich erweitere die Themen dieses Blogs um den Punkt "Striptease".

Eigentlich wollte ich hier nur Texte ablegen, die ich irgendwann mal geschrieben habe (alte Dinge) oder neuerdings schreibe (neue Dinge). Nur schreibe ich dazu zu wenige neue Dinge und das Abtippen alter Dinge kostet Zeit, die ich nicht so oft habe wie ich dachte, denn natürlich korrigiere ich dabei Stilschwächen oder zu persönliche Bezüge.

Unter diesem Stichwort schreibe ich auf, was ich über mich weiß. Oder nicht weiß. Wahrscheinlich geht es dabei vermehrt um Disfunktionalitäten, ich habe aber den festen Willen, auch das aufzuschreiben, was mir an mir positiv auffällt. Sobald es sowas mal gibt.
Im Moment gibt es das aber nicht. Im Moment fühle ich mich schwach und verzweifelt.

Das ist kein neues Gefühl und es wird Zeit, mir darüber Klar zu werden, wo das her kommt, denn ich tue den Menschen Unrecht, wenn ich ihnen heute die Schuld gebe, mich zu ignorieren und meine Wünsche zu übergehen, wo ich doch alle Wünsche erfülle und jede Aufmerksamkeit freudig gebe, die ich auch nur erspüre.

Eigentlich klassisch, wie ich gerade bemerke: Ich versuche, meiner Umwelt durch besondere Hingabe zu sagen, sie soll doch bitte ebenso auf meine Bedürfnisse achten. Und bin dann enttäuscht, weil sie es nicht tut. Was natürlich bei genauerer Betrachtung zu erwarten ist, denn sie erwartet von mir ja auch nicht wirklich, ihr jeden Wunsch zu erfüllen. Wenn ichs dennoch tue, hab ich ein Problem, nicht die anderen. Und schon gar nicht haben sie eine Verpflichtung, es mir gleich zu tun.

Woher kommt das also?

Ich bin aufgewachsen mit dem ständigen Gefühl, untergebuttert zu werden. Ich war immer der Kleinste in der Klasse. Ich habe einen Zwillingsbruder, was sehr oft bedeutet hat, alles teilen zu müssen und nicht das beneidenswerte Privileg von Einzelkindern zu haben, alle Aufmerksamkeit für sich beanspruchen zu können. Außerdem war es mir unterbewusst sicherlich ständig klar, daß das Leben mit zwei Kindern statt einem für meine Eltern eine ständige große Belastung ist. Ich habe wohl auch daher keine allzu exaltierte Pubertät hingelegt. Deswegen nicht, und auch, weil ich vier Jahre im Internat war und die völlige Abwesenheit von Privatheit, der Gamma-Position in der Hackordnung und die ständige Überwachung durch radikal katholisches Personal mir den Luxus eines eigenen Zimmers, von Ruhe und von Zurückgezogenheit gelehrt hat.

Ich habe dazu sicherlich einige ziemlich autistische Verhaltensweisen entwickelt und gepflegt. Zum Teil weil sie mir durchaus halfen, besser über die Runden zu kommen.

Leider hat mich all das wohl ziemlich verkorkst. Ich kann Kritik im ersten Moment extrem schlecht annehmen. Das Resultat ist, daß ich entweder überzogen abwehrend reagiere wenn ich sie ungerechtfertigt finde, oder sie mir viel zu sehr zu Herzen nehme. Ich kann nicht Nein sagen. Ich unterschreibe jedes dämliche Abo und jede blöde Versicherung, obwohl ich in diesem Moment schon weiß, daß ich das gar nicht tun will.

Allerdings tut es mir gut, anderen zu helfen. Ich mag es, gebraucht zu werden. Nein. Ich brauche es, gebraucht zu werden.

Auch beim Sex: Mein Selbstwertgefühl steigt, wenn meine Geliebte unter meinen Händen und meiner Zunge zerfließt, sich mir völlig hingibt und ich Stunden lang Woge um Woge ihrer Lust genießen kann. Ich mag es natürlich auch, wenn sie mich verwöhnt (und das kann sie!). Aber es ist alles völlig in Ordnung dabei, wenn ich sie drei viertel unserer Zeit von Orgasmus zu Orgasmus treibe, mal schnell und hart, mal sanft und unendlich langsam.

Vielleicht sollte ich das mal auf mein übriges Leben übertragen. Beginnen, es in Ordnung zu finden, wenn andere Menschen mir nur in einem Maße helfen, das ihre eigenen Bedürfnisse nicht außer Acht lässt. Und mein Bedürfnis anderen gut zu tun als Bedürfnis erkenne, das auch einen eigennützigen Anteil hat und deswegen auch nicht dazu führen müssen - ja nicht einmal dazu führen dürfen - daß ich dafür von ihnen eine Gegenleistung bekomme.

Allerdings muss ich dennoch das Problem lösen, daß man das Ausnutzen kann. Ich habe jetzt schon viel zu viele Versicherungen.

Dienstag, 28. Oktober 2008

Es geht mir gut

Ich stehe vor einem Rätsel.

Ich habe eine wunderbare Frau an meiner Seite, die mich liebt und die ich liebe. Mit der der Sex keine Nebensache ist sondern fast schon eine religiöse Erfahrung.Wir können lange reden, wir können lange gemeinsam schweigen. Und wir sind beide frei dabei.
Mein Job überfordert mich nicht und macht sogar Spaß. Ich komme gut mit den Kollegen zurecht. Das neue Büro ist großartig und nur noch 15 Minuten weit weg.

Ich habe eine angenehm große Wohnung und bin darin vollständig eingerichtet, mitsamt Spielkonsole und anderen Elektroniknettigkeiten. Ich muss nicht auf Nachbarn achten und schon gar nicht auf Mitbewohner.

Das Geld ist knapp, ja. Aber ich habe keine Kredite laufen oder anderweitige Schulden in den exorbitanten Höhen wie andere Menschen, von denen man täglich liest oder die vom Fernsehschuldenberater besucht werden. Und es war schon knapper. Dennoch, das macht mir schon Sorgen und da muss ich auch noch was tun.

Aber nur das kann, soll, darf nicht der Grund dafür sein, daß ich mich so gehetzt fühle, daß ich so unruhig bin, daß ich morgens um sieben wach liege und meine Gedanken rotieren. Was ist es dann?

Es ist ein Wunsch, glaube ich. Ein Wunsch nach einer Veränderung, glaube ich. Einer richtigen, guten, grundpositiven Veränderung, die mehr macht, als nur ein Problem regeln.
Ich möchte die einzelnen Dinge in meinem Leben, die gut sind, in ein Leben betten, das mir entspricht. Mir, so wie ich heute bin. Mein Job ist etwas was ich gut kann, aber eigentlich würde ich gerne etwas anderes machen. Ich kann es noch nicht ganz greifen, aber ich wünsche mir, daß das was ich tue viel mehr mit mir zu tun hat.
Meine Wohnung ist nett, aber gemütlich, schön, in Stil und Ambiente mir entsprechend ist sie nicht.

Meine Geliebte zeigt mir, wie es aussehen kann, wenn man nicht bei "ganz okay" aufhört sondern immer bis zum Punkt "so soll es wirklich sein" geht. Sie hat abe auch viel mehr Zeit, muss noch nicht über das Wohin nachdenken. Ich bin jetzt vierzig Jahre alt und ich habe zwei Kinder zu versorgen. Einfach alles umkrempeln geht da nicht so leicht.

Und das ist wohl das, was mich jeden Morgen weckt. Den Status Quo zu halten erfordert schon so viel Kraft, daß ich mir zuweilen schon Sorgen machen muss, wie ich das schaffen kann. Woher soll ich denn die Kraft und das Vertrauen nehmen das für eine echte Veränderung nötig ist?

Also muss ich mir oft genug sagen, daß es mir gut geht. Und vielleicht finde ich noch den Schlüssel, mit dem ich dafür sorgen kann, daß ich diesen Satz "es geht mir gut" nicht mit "eigentlich" beenden muss.

Donnerstag, 11. September 2008

Abgrenzungen

Ich beherrsche diese Kunst nicht, von anderen Verständnis für Dinge zu verlangen, die ich selbst bei anderen nicht tolerieren würde.

Ich schaffe es nicht, meine Bedürfnisse an Spaß gegen die Bedürfnisse anderer, keine Angst haben zu wollen, durchzusetzen.

Ich kann nicht einfach zu anderen Menschen sagen "Akzeptiere bitte, wie ich bin", wenn ich Dinge tue, die ihre Gefühle aufrühren oder verletzen.

Das macht mich leider zu einem sehr schwachen Menschen.

Zu einem, dem man sagen kann, "Tu nicht so, als ob Du ein Opfer bist".
Zu einem, auf den man wütend werden kann, weil er nicht so reagiert, wie man es sich von ihm wünscht.
Zu einem, mit dem man beleidigt sein kann, weil er ehrlicherweise sagt, daß er nicht weiß, ob er mit dem Spaß, den sie haben will, zurecht kommt.

Und weil das so ist, habe ich sie gestern nacht so langsam, so behutsam und so zart wie möglich berührt. Ich habe sie überall geküsst, wo ich sie bisher am seltensten küsste. Ich habe an ihr gerochen, um ihr Aroma so wie ich es ein Jahr kenne nie mehr zu vergessen. Ich habe mich vergewissert, daß es für sie der tiefste, echteste, längste, gefühlvollste Sex war, den ich ihr bieten kann. Ich habe alle Liebe, die ich für sie empfinde, in diese Stunden gelegt, um ihr zu zeigen, was es für mich bedeutet, mit ihr zu schlafen. Mit ihr zusammen zu sein. Ich habe sie gevögelt, bis sie vor Glück weinte.

Im schlimmsten Fall war es der Abschied. Zumindest der von einer Nähe, die ich mich vielleicht nie wieder zuzulassen trauen werde.

Ich habe versucht, ihr zu erklären, daß ich sie nie festhalten würde, aber daß doch alles, was sie tut, auch Auswirkungen auf unser Verhältnis zueinander haben wird. Daß eine Auswirkung ihrer Suche nach Spaß und Aufregung sein kann, daß ich die neue Entfernung, die dabei zu ihr entsteht, nicht mehr überwinden kann.

Aber ich glaube nicht, daß sie verstanden hat, was ich meine. Sie hat - und so sollte es auch sein - die Nacht so sehr genossen wie nie zuvor eine. Genau wie ich. Aber ich bin traurig, denn vielleicht war es die letzte, in der ich mir ihr so nah fühlen konnte.

So funktioniert eben meine Abgrenzung.

Freitag, 1. August 2008

Ans Meer

Das Meeresrauschen hören, das lauter ist als die vielen Geräusche im Kopf.
Das Rauschen, das wie ein gleichmäßiges, ruhiges Atmen klingt.
Die Gleichmäßigkeit, die Zukunft und Vergangenheit verschwinden lassen, die den Augenblick zu Endlosigkeit weitet.
Ich möchte mitatmen. Auch meinen Augenblick endlos werden lassen. Ich ersticke, eingeklemmt in einem viel zu kleinen Augenblick, der eingepresst wird von dem was war und dem was kommt.

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